Leitbild des Beratungsnetzwerks Schleswig-Holstein

Unser Auftrag

Rechtsextremistische, fremdenfeindliche und antisemitische Aktivitäten sind sowohl eine Gefahr für die unmittelbar Betroffenen als auch für das friedliche Zusammenleben von Menschen. Bedroht werden unter anderem Menschen verschiedener Lebenslagen, aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Herkunft, Sprache, Kultur, Religion und Weltanschauung. Rechtsextremismus ist somit eine Gefahr für die Gesellschaft als Ganzes. Das Beratungsnetzwerk Schleswig-Holstein berät daher landesweit alle Menschen und Institutionen, die sich aufgrund von rechtsextremen, fremdenfeindlichen oder antisemitischen Handlungen verunsichert, beeinträchtigt oder bedroht fühlen oder die Verantwortung spüren, handeln zu müssen.

Neben der Landeskoordinatorin oder dem Landeskoordinator beim Landesrat für Kriminalitätsverhütung gehören dem Beratungsnetzwerk Schleswig-Holstein Mitglieder unterschiedlicher staatlicher und nichtstaatlicher Institutionen an. Die Mitglieder des Beratungsnetzwerks bringen ihr Fachwissen ein, sind aber auch Kontaktpersonen zu ihren jeweiligen Institutionen oder Bereichen. Das Beratungsnetzwerk umfasst darüber hinaus ErstberaterInnen von freien Trägern, die im Bedarfsfall mit weiteren ExpertInnen – bis hin zur Bildung mobiler Interventionsteams – vor Ort Unterstützung anbieten.

Unsere Überzeugung

Das Beratungsnetzwerk orientiert sich an dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Weiterhin orientiert sich das Beratungsnetzwerk in seiner Arbeit an den Prinzipien einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft.

Zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit im Beratungsnetzwerk gehört es, die genannten Werte nicht nur nach außen zu vertreten, sondern auch nach innen zu praktizieren. Die beteiligten Partner erkennen gegenseitig ihre Verschiedenheit und ihren jeweiligen Auftrag und damit verbunden ihre unterschiedliche Rolle sowie die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten an und respektieren diese. Auf der Grundlage dieses Respekts wird eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt, die durch Transparenz und Offenheit, aber auch durch Diskretion und einen verantwortungsbewussten Umgang mit sensiblen Informationen bestimmt ist.

Unsere Leistungen für Ratsuchende, Auftraggeber und Adressaten

Vor allem durch die bei freien Trägern angestellten ErstberaterInnen leistet das Beratungsnetzwerk gemäß dem Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ Erstberatung.

Erstberatung umfasst unter anderem:

  • anlassbezogene, kostenlose, professionelle, vertrauliche und auf Wunsch anonyme Beratung zur Lösung von Problemlagen vor Ort sowie ggf. Hilfe bei der Suche nach weiteren ExpertInnen,
  • Unterstützung bei der Entwicklung von Lösungskonzepten, durch die künftige Problemlagen bewältigt werden können,
  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit und Qualifizierung von Multiplikatoren  zu den Themen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.

 Wir beraten:

  • Eltern, PädagogInnen und andere Fachkräfte
  • Institutionen, insbesondere Kommunen und Bündnisse
  • Opfer rechtsextremer, fremdenfeindlicher oder antisemitischer Gewalt
  • Ausstiegswillige (Erstberatung)

Oberstes Ziel ist es, die Ratsuchenden in die Lage zu versetzen, rechtsextreme Bedrohungen zu erkennen, einzuschätzen und Probleme eigenständig zu lösen. Hierbei werden die Ratsuchenden und Auftraggeber als die ExpertInnen vor Ort unterstützt.

Eine Intention der Beratung ist es auch, zivilgesellschaftliches Engagement vor Ort zu fördern. Adressaten des Angebotes sind folglich nicht nur einzelne Ratsuchende und Auftraggeber, sondern die gesamte Öffentlichkeit.

Zur Sicherung der Nachhaltigkeit werden Personen und Einrichtungen auf regionaler Ebene durch Qualifizierungsveranstaltungen in die Lage versetzt, zukünftig selbst Beratungsleistungen anbieten zu können. Eine herausragende Rolle bei der regionalen Vermittlung von ExpertInnen und Einrichtungen sollen die kommunalen Präventionsräte und Runden Tische übernehmen. Alle Mitglieder des Beratungsnetzwerks verpflichten sich jeweils in ihrem Bereich, aktiv für eine nachhaltige Verfolgung der Ziele und Sicherung der Ergebnisse der Arbeit des Beratungsnetzwerks einzutreten.

Unsere Kompetenzen

  • Kenntnisse über die politische und soziale Situation in Deutschland und speziell Schleswig-Holstein im Hinblick auf das Phänomen des Rechtsextremismus
  • Theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrung in der Beratungsarbeit
  • Interkulturelle Kompetenz

Unsere Ressourcen

Neben den von Bund und Land zur Verfügung gestellten Finanzmitteln arbeitet das Beratungsnetzwerk mit folgenden Ressourcen:

Die ErstberaterInnen erhalten regelmäßig, mindestens jedoch zweimal jährlich, die Gelegenheit zur Teamsupervision. Sie nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil. Darüber hinaus nehmen der/die LandeskoordinatorIn und die ErstberaterInnen an deutschlandweiten Treffen zum Zwecke des kollegialen Austauschs mit Fachleuten aus anderen Bundesländern teil.

Die ErstberaterInnen nutzen die Unterstützungs- und Fortbildungsangebote des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Regiestelle des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ sowie der Gesellschaft für Soziale Unternehmensberatung.

Durch die multiprofessionelle Zusammensetzung des Beratungsnetzwerks stehen die ErstberaterInnen im Austausch mit verschiedensten Bereichen der öffentlichen Verwaltung und der Zivilgesellschaft und verfügen jederzeit über die Basis für eine gute Zusammenarbeit mit deren Repräsentanten.

Unsere Definition gelungener Beratung

Das Beratungsteam formuliert gemeinsam mit den Auftraggebern zu Beginn der Beratung ein überprüfbares Beratungsziel.

Die Beratung ist dann gelungen, wenn das formulierte Ziel der Beratung erreicht wurde und der/die AuftraggeberIn seine/ihre Kompetenzen, Probleme im Zusammenhang mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus selbständig zu handhaben, positiver einschätzt als zuvor.

 

Beschlossen auf der Sitzung des Beratungsnetzwerks gegen Rechtsextremismus am 3. Mai 2012 in Kiel

Das Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus
in Schleswig-Holstein

Landeskoordinatorin und Protokollant